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Wie wichtig ist der Technologiefortschritt in der Photovoltaikversicherung?

Wenn wir über eine Photovoltaikversicherung sprechen, handelt es sich immer um eine Elektronikversicherung mit Allgefahrendeckung. Das heißt, dass alle auf die Photovoltaikanlage von außen einwirkenden Gefahren wie z.B. Feuer, Brand, Blitzschlag und vieles mehr versichert sind. Darüber hinaus ist der Versicherungsschutz mit Klauseln und Deckungserweiterungen auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen des Photovoltaikanlagenbetreibers individuell angepasst; das kann im Schadenfall von besonderer Bedeutung sein.

Eine der wichtigsten Deckungserweiterungen ist der Technologiefortschritt. Beim Abschluss einer Photovoltaikanlagenversicherung sollte immer darauf geachtet werden, dass diese Leistung im Versicherungsschutz mit berücksichtigt wird. Warum, möchten wir Ihnen nachfolgend kurz erläutern:

Was ist mit „Technologiefortschritt“ gemeint?

Die seinerzeit versicherten Module oder serienmäßig hergestellten Ersatzteile einer Photovoltaikanlage können nach einem Schadenfall nicht mehr wiederbeschafft werden. Der Grund: Die Module werden wegen technologischer Weiterentwicklung in der bisherigen Art und Weise nicht mehr hergestellt. Das heißt: Die Photovoltaikanlage lässt sich in ihrem bisherigen technischen Zustand so nicht wieder herstellen.

Wurde in der Photovoltaik-Versicherung das Leistungsmerkmal „Technologiefortschritt“ vereinbart, ersetzt der Versicherer im Schadenfall die Wiederbeschaffungskosten der Nachfolgegeneration des Geräts mit identischen oder vergleichbaren Leistungs- und Produkteigenschaften. Vorausgesetzt, diese werden auch tatsächlich wiederbeschafft und verbaut. Maßgebend für die Entschädigungsleistung ist der Betrag, der für ein Gerät der aktuellen Nachfolgegeneration zum Schadenzeitpunkt aufzuwenden ist.

Wie zahlt sich der „Technologiefortschritt“ für Sie aus?

Tatsächlich entstandene Mehrkosten durch Technologiefortschritt sind zum Beispiel Kosten, die bei der Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung der versicherten und vom Schaden betroffenen Sache durch Technologiefortschritt entstehen, wenn die Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung der Sache in derselben Art und Güte nicht möglich ist. Die bedingungsgemäße Zeitwertentschädigung gemäß ABE 2011 Abschnitt 7, §7 Nr. 4b bleibt in diesem Zusammenhang zu Gunsten des Versicherungsnehmers unberücksichtigt.

Photovoltaikversicherung ohne Technologiefortschritt!

Wenn Sie Ihre Photovoltaikanlagenversicherung ohne die Deckungserweiterung Technologiefortschritt abgeschlossen haben und identische Peripherie nicht mehr erhältlich ist, ersetzt der Versicher den Schaden „nur“ bedingungsgemäß gemäß ABE 2011 Abschnitt A §7 Nr. 4b. Das heißt, der Versicherer ersetzt die beschädigten oder zerstörten Module und Wechselrichter nur zum Zeitwert am Schadentag.

Hierzu ein Schadenbeispiel:

Die Solarmodule einer Photovoltaik-Dachanlage werden bei einem orkanartigem Sturm stark beschädigt. Nach erfolgter Schadenbesichtigung durch den Solateur müssen 7 von insgesamt 25 Solarmodulen ausgetauscht werden. Die seinerzeit verbauten und versicherten Module werden vom damaligen Hersteller in der seinerzeit verbauten Art und Weise nicht mehr produziert. Auch auf Zweitmärkten sind keine Ersatzmodule in ähnlicher Güte für den notwendigen Austausch erhältlich. Wie wird der Schaden jetzt reguliert?

Versicherungsschutz mit Deckungserweiterung Technologiefortschritt:

Da die sieben defekten Solarmodule in ihrer damaligen Ausführung nicht mehr zu beschaffen sind, übernimmt der Versicherer die Mehrkosten für die Wiederbeschaffung der Module der Nachfolgegeneration; in gleicher Art und Güte der beschädigten Module aber nach technologischem Fortschritt. Der Versicherer verzichtet dabei auf den bedingungsgemäßen Abzug für Änderungen oder Verbesserungen. Lassen sich keine Ersatzmodule mehr beschaffen, weil zum Beispiel der Hersteller nicht mehr existiert, übernimmt der Versicherer im Einzellfall auch die Mehrkosten für den Nachbau der defekten Module.

Versicherungsschutz ohne Deckungserweiterung Technologiefortschritt:

Wurde in unserem Fallbeispiel kein Technologiefortschritt vereinbart, wird der Schaden seitens des Versicherers nach den Vorgaben der allgemeinen Bedingungen der Elektronikversicherung (ABE 2011) reguliert, d.h. der Versicherer wird die sieben defekten Module zum Zeitwert am Schadentag entschädigen. Der Zeitwert beschreibt im Gegensatz zum Neuwert den Wert der defekten Module zum Zeitpunkt des Schadens. Berechnet wird der Zeitwert aus der Gebrauchsdauer, dem Anschaffungswert und dem Erhaltungszustand der Sache; er ist in der Regel bedeutend geringer als der Neuwert des Moduls.

Hier wird deutlich, wie wertvoll die Deckungserweiterung Technologiefortschritt im Rahmen einer Photovoltaikversicherung sein kann!

Alle Photovoltaikversicherungen die wir über unsere Website anbieten haben das Leistungsmerkmal Technologiefortschritt in ihren Versicherungsleistungen bereits inkludiert!

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Photovoltaikversicherung: Materialfehler Konstruktionsfehler Ausführungsfehler

Desöfteren werden wir von Interessenten kontaktiert, die uns wiederum mit falschen Aussagen von Versicherungsmaklern, Agenturinhabern, PV-Fachunternehmen oder Photovoltaik-Montageunternehmen konfrontieren. Aus gegebenem Anlass, schreiben wir heute erneut über die in der Photovoltaikversicherung mitversicherten Gefahren „Material-, Konstruktions- u. Ausführungsfehler“, welche immer wieder falsch interpretiert werden. Auf geht´s!

Die Grundlage der Photovoltaikversicherung bilden in der Regel die „Allgemeine Bedingungen für die Elektronikversicherung“ (ABE). Sie gilt als Allgefahrenversicherung. Vereinfacht gesagt, sind alle Sachschäden die durch bzw. in Folge von versicherten Gefahren, die unvorhersehbar auf die versicherte Sache (Peripherie der Photovoltaikanlage) einwirken mitversichert – es sei denn, an anderer Stelle der Bedingungen sind Ausschlüsse definiert.

Die „Versicherte Sache“ ist in der Regel die stationär auf dem Versicherungsort betriebene Photovoltaikanlage samt der erforderlichen Peripherie inklusive Anlagenüberwachung und Energiespeicher (je nach Anbieter sind Abweichungen möglich).

Unvorhergesehen sind Schäden, die der Versicherungsnehmer oder seine Repräsentanten weder rechtzeitig vorhergesehen haben noch mit dem für die im Betrieb ausgeübte Tätigkeit erforderlichen Fachwissen hätten vorhersehen können.

Versicherte Gefahren (Auszug aus Abschnitt A §2 Nr.1 ABE 2011)
Insbesondere wird Entschädigung geleistet für Sachschäden durch

a) Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit oder Vorsatz Dritter;
b) Konstruktions-, Material- oder Ausführungsfehler;
c) Kurzschluss, Überstrom oder Überspannung;
d) Brand, Blitzschlag, Explosion, Anprall oder Absturz eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung sowie Schwelen, Glimmen, Sengen, Glühen oder Implosion;
e) Wasser, Feuchtigkeit;
f) Sturm, Frost, Eisgang, oder Überschwemmung.

Als Sachschaden bezeichnet man die Beschädigung, die Zerstörung oder das Abhandenkommen von versicherten Sachen.

Die allgemeinen Begrifflichkeiten sind nun geklärt, wir können uns den möglichen Schadenereignissen sowie deren Regulierung widmen.

Schadenbeispiel 1:
Ein Materialfehler verursacht bei schönstem Wetter einen Bruch an der Unterkonstruktion. Weitere Peripherie wird nicht beschädigt.

Der Mangel selbst, in diesem Fall der Materialfehler, fällt grundsätzlich nicht unter den Versicherungsschutz. Da kein weiterer Sachschaden durch den Materialfehler entstanden ist, erfolgt keine Regulierung.

Schadenbeispiel 1.1
Bei schönstem Wetter bricht unvorhersehbar die Unterkonstruktion aufgrund eines Materialfehlers. Durch den Materialfehler an der Unterkonstruktion werden darauf montierte Solarmodule beschädigt (Sachschaden durch den Materialfehler).

Auch hier erfolgt keine Regulierung für den Mangel (Materialfehler Unterkonstruktion). Sehr wohl aber für die durch den Materialfehler beschädigten Module.

Schadenbeispiel 2:
Zwei Monate nach Montage der neuen Photovoltaikanlage wird festgestellt, dass das Solarunternehmen bei der Montage 50% der vorgesehenen Dachhaken nicht gesetzt hat (Ausführungsfehler).

Es handelt sich um einen reinen Mangel – keine Regulierung. Es ist vielmehr eine umgehende Ausbesserung von Seiten des VN (Versicherungsnehmer) zu veranlassen, da beim nächsten starken Sturm ein Schaden vorhersehbar wäre!

Schadenbeispiel 2.2:
Zwei Monate nach Montage der neuen Photovoltaikanlage kommt ein Sturm auf. Teile der PV-Anlage werden durch den Sturm vom Dach gerissen. Der Gutachter stellt fest, dass lediglich 50% der vorgesehenen Dachhaken gesetzt wurden (Ausführungsfehler) und es dadurch zu dem Schaden kam. Bei ordentlicher Ausführung der Arbeiten wäre kein Schaden entstanden.

Es erfolgt eine Regulierung, da ein Sachschaden durch einen Ausführungsfehler entstanden ist. Ausbesserungen (Beseitigung des eigentlichen Mangels) werden jedoch nicht beglichen.

So wie mit dem Ausführungsfehler verhält es sich auch mit den Konstruktionsfehlern. Der Mangel selber (fehlerhafte Konstruktion) ist nicht versichert, aber der dadurch entstanden Sach-Folgeschaden.

Bitte beachten Sie, dass oben genannte Beispiele lediglich verdeutlichen sollen, was es mit den Material-, Konstruktions- u. Ausführungsfehler im Rahmen der Photovoltaikversicherung auf sich hat. Unberücksichtigt bleiben eventuelle Regressansprüche der Versicherer. Es wird unsererseits keine Garantie übernommen, dass identische oder ähnlich gelagerte Schadenfälle der Regulierungspraxis einzelner Versicherungsunternehmen entsprechen. Vielmehr erfordert jeder Schadenfall eine individuelle Betrachtung und Beurteilung durch die jeweilige Versicherungsgesellschaft.

Haben Sie Fragen, so können Sie uns jederzeit kontaktieren!

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